Ein Tag der Befreiung

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Bürgervorsteher Dr. Markus Müller appelliert anlässlich des 8. Mai, für Demokratie und Menschenrechte einzustehen.

Am 8. Mai 2020 jährt sich der Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus zum 75. Mal. Wir begreifen diesen Tag heute mehr denn je als Auftrag, antidemokratischen und menschenfeindlichen Tendenzen entschieden entgegenzutreten und dafür zu sorgen, dass nie wieder Mord und Tyrannei von deutschem Boden ausgehen. Wie Richard von Weizsäcker es schon 1985 formuliert hat, verstehen wir den 8. Mai als Tag der Befreiung, denn alliierte Truppen bewirkten nach sechs Kriegsjahren, wozu das deutsche Volk aus eigener Kraft nicht fähig gewesen war: das selbst auferlegte Joch der Barbarei abzuschütteln.

Eine sicher auch die eigene Biographie spiegelnde Zeichnung des Künstlers A. Paul Weber, unmittelbar nach dem Krieg entstanden, bringt die gesamte Tragik der Situation zum Ausdruck. Sie zeigt einen Menschen, der soeben den Kopf aus dem Sand gezogen hat, Entsetzen im Blick, um sich herum Mitmenschen, deren Köpfe noch im Sand stecken, im Hintergrund Ruinen. Titel der Zeichnung: „Das Erwachen“. Weber nahm schon 1945 vorweg, wofür andere sehr viel länger, oft zu lange brauchten: die eigene Verantwortung, vielfach auch die eigene Schuld zu reflektieren und anzuerkennen.

Wenn wir also heute den 8. Mai 1945 als Tag der Befreiung erkennen und nicht, auch hierin Richard v. Weizsäcker folgend, als Tag der Niederlage, dann nehmen wir uns freiwillig in die Pflicht, stets für Demokratie und Menschenrechte einzutreten und uns dafür verantwortlich zu machen, dass „Nie wieder!“ keine leere Floskel bleibt. Das sind wir den Millionen von Opfern des Nationalsozialismus schuldig. Das sind wir aber ebenso uns selbst schuldig.

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