Ein Rundgang durch Itzehoe zu einer Zeit, die geprägt war von dem industriellen Ausbau, dem Ersten Weltkrieg, dem Übergang von der Monarchie zur Weimarer Republik, der Inflation und dem Beginn der Weltwirtschaftskrise.
Nach der Gründerkrise von 1873 setzte in Deutschland ein bis 1914 andauerndes, nie zuvor gekanntes Wachstum der gewerblichen Wirtschaft ein, das nur zeitweise durch konjunkturelle Stockungen geringfügig gestört wurde. Dies löste einen Technisierungsschub aus, der auch die anderen Wirtschaftssektoren, z.T. mit Verzögerung, erfasste.
Die Industrialisierung als Kernstück eines Modernisierungsprozesses betraf über die Wirtschaft hinausgehend die gesamte soziale und institutionelle Ordnung, das Bildungssystem sowie den gesellschaftlichen Normen- und Verhaltenskodex. Die Agrargesellschaft wandelte sich in dieser Zeit zur Industriegesellschaft.
Zum Ende des 19. Jahrhunderts erlebte Itzehoe innerhalb weniger Jahre einen großen Einwohnerzuwachs. Es entstand ein Wohnungsmangel. Zudem waren Wohnungen vielfach in einem sehr schlechten Zustand. Die Wohnungsnot und das Wohnungselend waren in der Zeit der Hochindustrialisierung ein Phänomen, das in allen Industriestädten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis weit in das 20. Jahrhundert hinein zu finden war.
Ende Juli 1914 brach der Erste Weltkrieg aus. Am 31. Juli 1914 meldete die lokale Zeitung "Itzehoer Nachrichten", daß Deutschland sich im Kriegszustand befinde. Itzehoe wurde von militärischen Auseinandersetzungen nicht direkt berührt, die wirtschaftlichen Folgen des Krieges machten sich aber schnell bemerkbar.
Die Novemberrevolution von 1918 führte am Ende des 1. Weltkriegs zur Abdankung des letzten Deutschen Kaisers Wilhelm II. und zur Umwandlung des Deutschen Reiches in eine parlamentarisch-demokratische Republik.
Die Weimarer Republik hatte von 1919 - 1923 mit den unmittelbaren Kriegsfolgen, der Inflation und zahlreichen Umsturzversuchen zu kämpfen. Die Not war groß. Arbeitslosigkeit und Hunger waren auch in Itzehoe an der Tagesordnung. Im September 1923 stand der Wechselkurs für einen amerikanischen Dollar bei knapp zehn Millionen Mark. Vier Wochen später waren es dann schon 160 Millionen Mark. Erst die Einführung der Rentenmark im November 1924 führte zu einer langsamen Stabilisierung der Wirtschaft.
In den fünf guten Jahren, den sogenannten Goldenen 20er Jahren, von 1924 - 1929 blieben die Lebensumstände vieler Menschen trotz relativer wirtschaftlicher und politischer Stabilisierung weiterhin bescheiden.
Die Weltwirtschaftskrise beendete die Goldenen 20er und war von entscheidender Bedeutung für die Radikalisierung der Politik.
Nach dem Börsenkrach an der Wall Street 1929 wurden die vielen kurzfristigen Auslandskredite aus Deutschland abgerufen. Daraufhin brach die ohnehin schon schwache deutsche Wirtschaft völlig zusammen. Durch die einsetzende Massenarbeitslosigkeit verschlechterte sich die soziale Lage dramatisch.
1932 signalisierten erste Anzeichen ein Abflauen der Weltwirtschaftskrise und ließen eine Wende zum Positiven erkennen.
(Fotos und Texte:
Gemeinsames Archiv des Kreises Steinburg und der Stadt Itzehoe und
"Itzehoe -
Geschichte einer Stadt in Schleswig-Holstein" Band 2)
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