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8. Der Aufklärer Müller und seine vielfältigen Funktionen
Der Schriftsteller

Durch das Konzept belehrenden Schreibens für seine Moralische Wochenschrift Der Deutsche vorbereitet, beeinflußt von englischen Vorbildern (Tobias Smollett, Henry Fielding) und dem deutschen aufklärerischen Roman zielt Müllers Belletristik auf die ästhetisch-moralische Erziehung der Stände und beeinflußt mit gemäßigt gesellschaftskritischen Texten die Entwicklung der Unterhaltungsliteratur, die Erziehung der Leser zu intensiver Lektüre und zur Ausbildung ihres literarischen Geschmacks.

Noch 1795 stellt Lichtenberg in einem Begleitschreiben an Goethe, dem er das zweite Heft seiner Ausführlichen Erklärung der Hogarthschen Kupferstiche übersendet, Müllers Konzept der komischen pragmatischen Romane als wegweisend heraus, weil aus seinen "unerreichbaren Romanen [die] immer unverkennbare Menschenstimme, noch rein und voll hervortönt, während der größte Teil der übrigen zu immer schlechterer und schlechterer Instrumental-Musik herabsinkt, zu modern-hohem Gedudel […] in sogenannten Halb-Romanen. […] Scheußlich fürwahr!"

Müller ist literarisch vielseitig aktiv. Er nutzt für seinen Aufklärungszweck nahezu sämtliche Textsorten, Roman, Lustspiel, Pamphlet, Essay und Rezension. Zwischen den 1760er Jahren und 1808, als sein letzter Roman Die Familie Benning erscheint, arbeitet er mit zwölf Verlagen zusammen, darunter den renommierten Verlegern Dieterich in Göttingen, Nicolai in Berlin und Vieweg in Braunschweig.

Verleger
Von 1771 bis 1808, also innerhalb von 37 Jahren, publiziert Müller dreizehn Romane mit insgesamt 16.400 Druckseiten. Seine Romane werden zum großen Teil ins Dänische, Französische, Holländische, Russische und Schwedische übersetzt und erreichen anfänglich eine europaweite Verbreitung.

Am erfolgreichsten ist er mit der humorvollen Ständesatire Siegfried von Lindenberg. Eine komische Geschichte (1779), die bis 1802 sechs jeweils erweiterte Auflagen erreicht und darüber hinaus durch zahlreiche unerlaubte Nachdrucke, Übersetzungen (Dän., Frz., Holl., Schwed.), eine Dramatisierung (1790), durch Lesegesellschaften und Leihverkehr popularisiert wird. Mit der fiktiven Handlung um einen adligen pommerschen Landjunker und seine Dorfuntertanen spiegelt der Roman modellhaft die Ständegesellschaft und ihre sozialpolitischen Schwächen.
Mit diesem didaktischen Roman der unterhaltsamen Bürgeraufklärung schlägt er das Generalthema seiner Schriften an, das er von nun an, stofflich variierend, in sämtlichen weiteren Romanen verfolgt.


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