Der Lesegesellschaftsleiter
Vertraut mit den geselligen Hamburger Bildungseinrichtungen der literarischen Gesellschaften wie die Lesekabinette, mit Buchhandel und Buchmarkt und im Glauben an die Bildungsmission des Aufklärers in der Gesellschaft, richtet Müller vermutlich um 1774 eine Lesegesellschaft ein, die neben denen in den Nachbarorten Wilster und Glückstadt bis zum Beginn der 1780er Jahre existiert. Zusammen mit derjenigen in Kiel zählt sie zu den ganz frühen Gründungen in den Herzogtümern Schleswig und Holstein.
Müller übernimmt den Bucheinkauf, die Organisation und Finanzverwaltung. Sie ist als Umlaufgesellschaft angelegt, d.h. die Bücher werden durch einen Boten gegen einen monatlichen Beitrag ins Haus gebracht und nach der Lektüre eingesammelt. Die beiden überlieferten Mitgliederlisten von 1777 mit 47 Namen und von 1778 mit 40 Namen zeigen, daß sich ausschließlich gebildetes, wohlhabendes Bürgertum und der verbürgerlichte Adel in Itzehoe und Umgebung beteiligt haben. Durch Vorlesen in der Familie und nicht erlaubtes Weiterverleihen werden wahrscheinlich ein Zehntel der Itzehoer Bevölkerung durch diese lesepädadgogische Maßnahme erreicht.
|
| Vorlesen in der Familie (1780) |
zurück zur Übersicht