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Hingabe an das Höchste - Sakralbau im deutschen Expressionismus
Freitag, 16.06.2006 um 18.30 Uhr

Ein Vortrag von Prof. Wolfgang Pehnt, der wohl zu den bekanntesten Architekturhistorikern in Deutschland zählt und mit unzähligen Preisen (u.a. Fritz-Schumacher-Preis, Ernst-Schelling-Preis, Bund Deutscher Architekten) ausgezeichnet wurde.
Ein Veranstaltung im Rahmen der Ausstellung "Raum ist Sehnsucht - Der Kirchenbaumeister Dominikus Böhm 1880-1955" und des Hamburger Architektur Sommers.

"Ein Gott, eine (einige) Gemeinde, ein Raum! Ein Gebet", forderte der Baumeister Dominikus Böhm im Jahre 1923. Böhm, zu dieser Zeit noch in Offenbach, später in Köln ansässig, galt schon damals als einer der großen katholischen Kirchenbauer. Sein Werk in den zwanziger Jahren war der Liturgischen Bewegung verpflichtet. Diese Bewegung setzte sich für neue, gemeinschaftliche Formen der Kultausübung ein, für eine Neuordnung der liturgischen Orte, für die Benutzung der deutschen Sprache im Gottesdienst und für Kirchenräume, in denen Kult- und Gemeinderaum in einen übergreifenden Zusammenhang gebracht werden. Zugleich stand Böhms Werk der Zeitströmung des Expressionismus nahe, prägte sie und wurde von ihr geprägt.
Selbstironisch nannte er sich den "ausgefallensten Expressionisten des Weltalls".

Die zwanziger Jahre haben in Deutschland eine Fülle von Sakralbauten hervorgebracht, die eine "gesteigerte Architektonik der Formen", ein "Gefühl der letzten Hingabe an das Höchste" (Adolf Behne) ausdrücken sollten. Der Vortrag schildert den Weg von diesen theatralischen Licht- und Rauminszenierungen zu den disziplinierten Bauformen der Neuen Sachlichkeit, die Rudolf Schwarz, der jüngere Freund Böhms, die Neue Dinglichkeit nennen wollte.

Ein solcher Rückblick hat seine Tagesaktualität. Denn viele Kirchbauten dieser Jahre stehen auf den Roten Listen jener Gebäude, von denen sich Diözesen und Landeskirchen in ihrer wirtschaftlichen Notlage trennen wollen.Im Extremfall droht Abriß.

Prof. Dr. Wolfgang Pehnt geb. 3.9.1931 in Kassel. Architekturhistoriker und -kritiker. Von 1963 bis 1995 für Kunst und Literatur am Deutschlandfunk verantwortlich. Lehrt seitdem Architekturgeschichte an der Ruhr-Universität Bochum. Mitglied der Akademie der Künste, Berlin und der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, München. Lebt in Köln.

Zahlreiche Veröffentlichungen zur Architekturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Buchpublikationen u.a.: Die Architektur des Expressionismus (erweiterte Neuauflage 1998, darin ein Kapitel über Wenzel Hablik) und Monografien über Rudolf Schwarz (1997), Karljosef Schattner (erweiterte Neuauflage 1999), Gottfried Böhm (1999). Im vergangenen Herbst erschien, von zahlreichen Kritikern als "Standardwerk³ begrüßt: Deutsche Architektur seit 1900 (2005).

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